Cité Miroir

Lieu d’exception au service de la citoyenneté,
de la mémoire et du dialogue des cultures

Geschichte

1936

Der Lütticher Beigeordnete Georges Truffaut ist am Ursprung des Projekts der öffentlichen Bäder. Diese Badeanstalt bestand aus zwei Schwimmbecken, einer Bushaltestelle, einem Hydrotherapiebereich, Nebenräumen, einem Café-Restaurant und einem Tanzlokal. Der modernistische Architekt Georges Dedoyard wird nach einem sehr strengen Auswahlverfahren ausgewählt.

1940

Die Deutschen marschieren in Lüttich ein. Der Krieg verzögert die Bauarbeiten und die Bombardierung in der Nacht des 25. Mai 1940 hinterlässt Schäden. 2500 Lichtbetonplatten aus dem Deckengewölbe müssen ersetzt werden. Im Keller wird ein Bombenschutzkeller eingerichtet. Während der Arbeiten im Mai 1940 werden dort rund dreißig Flüchtlinge untergebracht.

1942

Das Gebäude wird während der Besatzung durch die Nationalsozialisten fertiggestellt und im Mai eröffnet. Georges Truffaut, der einen Monat zuvor in England im Widerstand gestorben war, hat sein vollendetes Projekt nie gesehen.

Das Gebäude von La Sauvenière gilt als eine der bedeutendsten Realisationen des modernistischen Stils zwischen den beiden Weltkriegen und hat die Formen eines majestätischen Ozeandampfers. Im Inneren fällt vor allem die große Halle der Schwimmbecken auf, die sich bei einer Höhe von über 10 Metern auf eine Länge von 80 Metern erstreckt.

Dedoyard wurde damals vom deutschen Bauhausstil inspiriert. Die Elementarformen - hier der Würfel und die Kugel - werden in Szene gesetzt, Symmetrie ist oberstes Gebot. Die nackten Wände, die klaren Linien, die Dominanz von Stahlbeton und Glas zeugen von dieser in erster Linie funktionellen Architektur.

1943

La Sauvenière hat sehr schnell großen Erfolg. Über 800.000 Badegäste werden 1943 gezählt, ein Rekordjahr. Die modernen Schwimmbecken sind mit Hängevorrichtungen versehen, um 50 Schwimmanfänger gleichzeitig halten zu können. Eine Revolution!

1948

Eröffnung des Sportzentrums von La Sauvenière. Gymnastikräume, Judo-, Fecht- und Boxclubs werden gegründet.

1950

Im Erdgeschoss des Gebäudes läuft der Busbahnhof auf Hochtouren. Warteräume, Zeitungskiosk, Würstchenverkäufer, Imbiss.... Die Pendler genießen echten Komfort. 20 Buslinien fahren den Ort an, mit 400 Abfahrten pro Tag.

1956

Die in der Stadtmitte gelegenen Bäder werden auch jeden Tag von den Schulen genutzt. Damals lag der Eingang noch auf dem Boulevard de la Sauvenière.

2000

Die Bäder müssen ihre Türen aufgrund nicht konformer Sicherheitsstandards schließen. Das Gebäude wird nach und nach aufgegeben, nur einige wenige Einrichtungen bleiben in Betrieb.

2004

Gründung des gemeinnützigen Vereins MNEMA auf Initiative von Territoires de la Mémoire, um die Verwaltung des Projekts "Cité Miroir" zu übernehmen. Im gleichen Jahr wird das Gebäude als Teil des wallonischen Kulturerbes teilweise unter Denkmalschutz gestellt.

2009 – 2013

Die Restaurierungsarbeiten werden dem Planungsbüro Pierre Beugnier und Triangle Architectes anvertraut. Der Wandel der Funktion ist radikal: der Ort soll zu einem Ort der Kultur mit Ausstellungsbereichen und Veranstaltungssaal werden, ausgestattet mit modernster Technik in den Bereichen Isolierung, Heizung und Beleuchtung.

Januar 2014

Die Cité Miroir wird eingeweiht. 22.000 Besucher kommen alleine während der Einweihungswoche.

Die Cité Miroir empfängt seit ihrer Einweihung über 80.000 Besucher pro Jahr.

Oktober 2014 - März 2015

Die erste große Ausstellung L’Art dégénéré selon Hitler (dt. Hitlers entartete Kunst) thematisiert die Auktion von Luzern im Jahr 1939 und ihre Auswirkungen. 52.000 Besucher haben sie gesehen.

Mai 2014

Die Dauerausstellung des Vereins Territoires de la Mémoire wird in der Cité Miroir eröffnet. Plus jamais ça ! erzählt den Weg der Deportierten in den Nazi-Konzentrationslagern. Begleitet von der Stimme des Schauspielers Pierre Arditi, von Ton, Bildern, Lichteffekten und Musik, erkundet der Besucher Bereiche, die eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte erzählen und wird dann plötzlich mit unserer aktuellen Welt und der Notwendigkeit konfrontiert, sich einer solchen Entwicklung jeden Tag zu widersetzen.

Februar 2016

Eine ganz neue Dauerausstellung, die vom Laizistischen Aktionszentrum der Provinz Lüttich organisiert wird, eröffnet im Februar 2016 in der Cité Miroir. En Lutte. Histoires d'émancipation erinnert an die Arbeiterbewegungen und daran, dass die soziale Solidarität, die wir heute in Belgien erleben, ein wertvolles Erbe ist, für das Generationen von Arbeitern und Arbeiterinnen gekämpft haben.

Die als Zeitreise angelegte Ausstellung wird von Bild-, Ton- und Lichteffekten sowie der Stimme des Schauspielers Philippe Torreton begleitet und zeigt, dass die Welt durch gemeinschaftliche Aktionen geändert und soziale Fortschritte erzielt werden können.

September 2016 - Februar 2017

“Man wird nicht als Rassist geboren, man entwickelt sich dazu”, Lilian Thuram

Während fast 5 Jahrhunderten fasziniert die Zurschaustellung von Menschen über 1.400.000 Besucher. Dabei wurden zwischen 30.000 und 35.000 Menschen auf der ganzen Welt für andere wie Tiere vorgeführt. In der Ausstellung Zoos humains. L’invention du sauvage, (dt. Menschenzoos. Die Erfindung des Wilden) können die Besucher nachvollziehen, wie sich rassistische Vorurteile während der Periode der großen Kolonialreiche etabliert haben.

Die Groupe de recherche Achac und die Stiftung Lilian Thuram - Éducation contre le racisme, arbeiten mit dem Laizistischen Aktionszentrum der Provinz Lüttich und dem MNEMA zusammen, um in der Cité Miroir diese vergessene Geschichte zu erzählen, an der Schnittstelle zwischen Kolonialzeit, Wissenschaft, Rassismus und der Welt des Spektakels… die Geschichte der "Menschenzoos".

Dezember 2016

Die Cité Miroir knackt die Schwelle der 250.000 Besucher!